Zwei:Eins Kunstpreis Verleihung am 29.11.2017

zwei:eins – Der Münchner Kunstpreis 2017 für Kitti & Joy
Preisverleihung 29.11.2017, 19.00 Uhr


Starkes Duo: Kitti & Joy (Foto: Dominik Bindl)

zwei:eins – Der Münchner Preis für Kunst: interdisziplinär und innovativ

zwei:eins würdigt künstlerische Arbeiten, die über den Tellerrand der eigenen Disziplin hinausschauen. Daher wird der Kunstpreis einmal jährlich für eine Projektidee vergeben, die im Folgenden gemeinsam mit einem weiteren Partner einer anderen Profession realisiert wird. Die nun ausgezeichneten Künstlerinnen Kitti & Joy haben mit Mon Müllerschön eine Projektpartnerin aus der Welt der Kunstberatung gewonnen. Mit ihrer Unterstützung werden sie ein Magazin für den Start in die Künstlerkarriere kreieren.

Hinter dem Kunstpreis steht ein starkes Netzwerk aus rund 30 Repräsentant*innen der Kunstwelt Münchens. Neben den Vorständen des sozial-kulturellen Netzwerks SoNet München, Frank Enzmann (Cstringius Stiftung) und Martin Schütz (Stiftung Otto Eckart) sind dies unter anderem die Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, das Museum Villa Stuck, die Akademie der Bildenden Künste oder das Münchner Kulturreferat (Liste Netzwerk siehe Das Netzwerk hinter zwei zu eins). Die Mitglieder begleiten die jeweiligen Preisträger bei der Realisierung ihrer Projektidee.

Kitti & Joy und ihre Projektpartnerin Mon Müllerschön

Der diesjährige Kunstpreis zwei: eins geht an das Münchener Künstlerinnenduo Kitti & Joy. 2017 haben sie gemeinsam die Akademie der Bildenden Künste in München abgeschlossen und kollaborieren seit Jahren vor allem in genreübergreifenden Projekten. In ihren Aktionen und Videoproduktionen beschäftigen sie sich mit unreflektierten gesellschaftlichen, kulturellen und ästhetischen Codes. Auf den ersten Blick scheinen sie sich selbst für die Welt des Konsums und des Trash zu begeistern, konterkarieren jedoch gleichzeitig Klischees und die sie legitimierenden Worthülsen. „Die Diskrepanz, selbst Konsumentin zu sein, als Künstlerin jedoch kritisch auf diese Realität zu blicken, entlädt sich in unseren Arbeiten, in denen wir oft selbst als Duo als eine Art fehlgeleitetes Produkt agieren“, erklären die beiden.

Ihre Beobachtungen machen Kitti & Joy im eigenen Alltag: tradiertes Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen, Schönheitsideale, Esoterik, digitale Welt versus „real life“. Den Austausch ihrer Stereotypen vollziehen die Künstlerinnen vorzugsweise in inhaltlich losgelösten, anonymen Umgebungen: im Möbelhaus, im Premium Discount Fitnessstudio oder Biomarkt.

Ihre Projektpartnerin für zwei:eins Mon Müllerschön baut internationale Kunstsammlungen auf und kuratiert diese; sie ist Teil der Beraterbranche für den Erwerb und das Sammeln von Kunst. Die bekannte Managerin und Kunsthistorikerin zählt internationale Konzerne wie auch private Sammler zu ihren Kunden.

Die Projektidee für zwei:eins:  Ein Lifestyle-Ratgeber für den Start in die Künstlerkarriere

„Unsere künstlerischen Arbeiten wurzeln in der Konsum-, Produkt- und Lebenswelt der Mittelklasse, in Mainstream und Popkultur und Werbung. In Form von YouTube-Clips, Aufklebern im öffentlichen Raum oder von Mode speisen wir unsere Arbeit zurück in das System, aus dem wir sie generiert haben“, erklären Kitty & Joy. Ihre Projektpartnerin Mon Müllerschön dagegen bewegt sich als Beraterin in der Welt der Reichen und der Anleger, der Prominenten und des Glamour. Zum Metier der Artmanagerin gehören Sammlungsaufbau und -betreuung, ein Blick für Potenziale und Renditen. Müllerschön betreut unter anderem die Kunstsammlung der Hubert Burda Media, woraus sich zugleich Berührungspunkte zu den Produkten des Verlags und Boulevard-Medien wie der Bunten ergeben. Dies inspirierte das Duo zu einem gemeinsamen Lifestyle- und Ratgeber-Magazin, angelehnt an Ton und Machart von Frauenzeitschriften sowie Yellow Press. Denn nicht zuletzt haben gerade auch Boulevard- und Lifestyle-Publikationen ihren Anteil an Klischees und Rollenmodellen.

Das geplante Magazin beschäftigt sich nicht wie zahlreiche andere von Künstlern gestalteten Publikationen mit Schöngeistigem, sondern widmet sich im Stil eines kurzlebigen Frauenjournals den Fragen junger freischaffender Künstler*innen. Wie funktioniert der Kunstmarkt? Muss ich ständig auf Vernissagen präsent sein? Wie verhalte ich mich da? Warum brauche ich zwei Nebenjobs?Warum werden andere Arbeiten meinen vorgezogen – oder umgekehrt? Was ziehe ich zum Dinner mit Sammlern an? Sollte ich nach Berlin umziehen? Wann nimmt mich endlich eine Galerie unter Vertrag?

Vordergründig ernsthaft, doch zugleich ironisch werden Fragen zu den Spielregeln des Kunstmarktes beantwortet, die viele ihrer Kolleg*innen beschäftigen, fungiert die Gazette als Ratgeber für Selbstvermarktung – und entlarvt zugleich unsinnige Konventionen oder Vorurteile. Das informative Magazin soll zum Schmökern verführen, zugleich Absurditäten und Tabus offen legen und Kontroversen herausfordern. Im Printprodukt finden fiktionale und reale Inhalte zum künstlerischen Produkt zusammen.

Warum passen Kitti & Joy und zwei:eins so gut zusammen?

Beeindruckt war die Jury zunächst vom Mut der Künstlerinnen, eine Situation zu thematisieren, in der sie sich selbst befinden. Überzeugt hat des Weiteren, wie sie Fragwürdiges im Kunstbetrieb als absurd entlarven und letztendlich neuartige Rituale und Szenarien für die Zukunft vorschlagen. Frank Enzmann, selbst langjähriger Kunstsammler, Vorstand der Castringius-Stiftung sowie des preisstiftenden sozial-kulturellen Netzwerks SoNet: „Kitti & Joy leben in ihrer künstlerischen Arbeit das Prinzip des Netzwerkens, indem sie vielfach weitere Akteure mit einbeziehen – so auch für das zwei:eins-Projekt. Diesen Grundgedanken der Kooperation halte ich grundsätzlich für zukunftsweisend – heute mehr denn je.“ Eben dieser Gedanke des Netzwerkens war es auch, so Enzmann, der den Kunstpreis zwei:eins von der ersten Idee bis zur Realisierung getragen habe.

zwei:eins – Der Münchner Preis für Kunst wird am 29. November zum dritten Mal verliehen.  Ausgezeichnet wird eine Projektidee eines / einer Künstler*in, die gemeinsam mit einem Partner aus einer anderen Disziplin realisiert werden soll. Für zwei:eins kann man sich nicht selbst bewerben. Die Kandidat*innen werden von einem Netzwerkmitglied vorgeschlagen, das in der Folge als Mentor*in agiert. Die Entscheidung erfolgt nach einem intensiven Auswahlprozess. Anschließend haben die Preisträger*innen 18 Monate Zeit, Ihr interdisziplinäres zwei:eins-Projekt zu realisieren. Präsentiert wird es danach in einem der jeweiligen Idee entsprechenden Rahmen (zuletzt Judith Egger in der whiteBOX).

Kitti & Joy wurden von Prof. Dieter Rehm, dem Präsidenten der Münchner Akademie der Bildenden Künste eingeführt.

Bitte notieren Sie sich den Termin für die Preisverleihung am 29. November 2017 (19.00 Uhr; Einlass ab 18.00 Uhr) in der Akademie der Bildenden Künste München. Anmeldung erbeten unter www.zweizueins-kunstpreis.de/preisverleihung-2017

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